„Vergesellschaftungspläne verunsichern Eigentümer weit über Berlin hinaus“

Berlins Vergesellschaftungspläne beschäftigen auch Eigentümer außerhalb der Hauptstadt. IVD-Präsident Dirk Wohltorf warnt vor einer wachsenden Verunsicherung des Marktes. Seine Stellvertreterin Jeanette Kuhnert sieht Folgen für Unternehmensansiedlungen und private Kleinvermieter.

„Die Verunsicherung bleibt nicht auf Berlin beschränkt. Auch in Hamburg und anderen Großstädten wächst die Sorge, dass die Vergesellschaftungspläne politisch Schule machen“, sagt Dirk Wohltorf, Präsident des Immobilienverband Deutschland IVD. Nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin richtet sich der Blick deshalb auch andernorts auf den künftigen Umgang mit privaten Wohnungsbeständen. Wohltorf kritisiert, dass die politische Debatte über Vergesellschaftungen die ohnehin schwierige Lage auf dem Wohnungsmarkt weiter verschärft: „Wer ständig neue Eingriffe in das Eigentum fordert, trägt nicht dazu bei, dass sich der Wohnungsmarkt entspannt. Im Gegenteil: Die Verunsicherung wächst und Investitionen werden ausgebremst. Damit wird die Wohnungsnot am Ende eher verschärft als gelindert.“

Seine Kritik trifft auf einen Markt, in dem er auf der EXPO REAL wenig Bereitschaft zu neuen Risiken wahrnimmt. „Wir sprechen über Projekte, die unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht umgesetzt werden können. Wer soll da Zuversicht entwickeln und ins Risiko gehen? Das Vertrauen in verlässliche politische Rahmenbedingungen hat erheblich gelitten.“ Die Aussicht auf weitere Eingriffe verschärft die Zurückhaltung. Bei der Bewirtschaftung bestehender Wohnungen befürchtet er dagegen vorauseilende Reaktionen: „Mit jeder weiteren Einschränkung, die politisch angekündigt wird, wächst der Druck auf die Eigentümer. Manche könnten deshalb versucht sein, bestehende Spielräume bei der Mietgestaltung vorsorglich auszuschöpfen. Die Ankündigung immer neuer Regulierungen kann damit ausgerechnet den Preisdruck verstärken, den sie eigentlich bekämpfen soll.“

„Private Kleinvermieter stellen erheblichen Teil des Angebots“

Jeanette Kuhnert, Vizepräsidentin des IVD und Geschäftsführerin der Wittlinger & Compagnie GmbH & Co. KG, lenkt den Blick auf die Eigentümerstruktur. „In der Debatte ist ständig von großen Konzernen die Rede. Dabei stellen private Kleinvermieter einen erheblichen Teil des Angebots. Wer immer neue Eingriffe fordert, muss sich klarmachen, wen er damit trifft.“ Ihre Kritik an zusätzlichen Beschränkungen reicht damit über die geplante Vergesellschaftung großer Bestände hinaus. Auch die Bedingungen, unter denen kleinere Eigentümer weitervermieten und investieren, gehören für sie in die politische Debatte.

Aus ihrer Arbeit mit Gewerbe- und Investmentimmobilien kennt Jeanette Kuhnert zudem die Verbindung zwischen Wohnungsangebot und Standortentscheidungen sehr genau. Eine Verbindung, die politisch zumeist unbeachtet bleibt. „Wer Gewerbeimmobilien besitzt, kann sich bei der Wohnungspolitik nicht zurücklehnen. Unternehmen brauchen Wohnraum für ihre Beschäftigten. Fehlt er und will niemand mehr investieren, werden auch Ansiedlungen schwieriger.“ Der Konflikt betrifft aus ihrer Sicht deshalb keineswegs nur Wohnungsvermieter. Wo Beschäftigte keine Wohnung finden, steht auch die Attraktivität eines Wirtschaftsstandorts auf dem Spiel. Politischen Konzepten, die diese wirtschaftlichen Zusammenhänge ausblenden, erklärt Jeanette Kuhnert eine Absage: „Das ist eine Pippi-Langstrumpf-Mentalität: Man macht sich den Wohnungsmarkt, wie er einem gefällt. Aber politische Wunschvorstellungen ersetzen keine wirtschaftliche Kalkulation.“

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