Berlin: WBM plant 100.000 Quadratmeter mehr Gewerbe

Zehn Jahre bis zum Einzug, sieben Euro Einstiegsmiete: Zwei Neubauprojekte der WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH zeigen, wie viel Vorlauf und Förderung bezahlbares Wohnen in Berlin braucht. Zugleich liefert das Gewerbeportfolio rund ein Viertel der Einnahmen und soll bis 2035 um rund 100.000 Quadratmeter wachsen. Geschäftsführer Lars Dormeyer spricht über langsame Genehmigungen, die Grenzen günstiger Mieten und den Spielraum, den die WBM für soziale Einrichtungen und kleine Betriebe nutzt.

IMMOBILIEN AKTUELL (IA): Die Projekte an der Neuen Jakobstraße und am Engeldamm wurden seit 2018 vorbereitet, Baustart ist 2026, Fertigstellung voraussichtlich 2028. Sind zehn Jahre von der ersten Prüfung bis zum Einzug inzwischen die ehrliche Zeitrechnung für innerstädtischen Wohnungsneubau?

LD: Zehn Jahre dürfen nicht der Normalfall sein. Die eigentliche Bauzeit ist gar nicht das Problem – zu viel Zeit vergeht vorher in Planungs- und Genehmigungsprozessen. Das Schneller-Bauen-Gesetz und der Bauturbo setzen an der richtigen Stelle an. Entscheidend ist jetzt, dass die Beschleunigung auch tatsächlich auf den Baustellen ankommt.

IA: Von den 89 Wohnungen werden 45 gefördert, die Einstiegsmiete liegt bei sieben Euro je Quadratmeter. Reichen die Fördermittel aus, um diese Miete trotz der hohen Baukosten wirtschaftlich darzustellen?

LD: Ohne Förderung wäre eine Einstiegsmiete von sieben Euro bei den heutigen Baukosten nicht darstellbar. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Förderung, Eigenmitteln und Finanzierung. Dafür brauchen wir langfristig verlässliche Förderbedingungen.

IA: Beide Häuser werden als Pilotprojekte in Holzhybridbauweise und im Effizienzhaus-40-Standard errichtet. Welchen konkreten Vorteil erwarten Sie gegenüber einem konventionellen Bau?

LD: Wir wollen CO₂-Emissionen und Energieverbrauch reduzieren und zugleich Erfahrungen für weitere Projekte sammeln. Die Holzhybridbauweise bietet zudem Potenzial für einen höheren Vorfertigungsgrad und effizientere Bauabläufe.

IA: Die WBM bewirtschaftet rund 314.000 Quadratmeter Gewerbefläche. Dazu gehören kleine Ladenlokale ebenso wie das Internationale Handelszentrum, die Kongresshalle und die Rathauspassagen. Welche dieser Bestände bereiten Ihnen derzeit am meisten Arbeit und warum?

LD: Gerade diese Bandbreite macht unser Portfolio besonders. Wir kümmern uns um das kleine Ladenlokal genauso wie um komplexe Spezialimmobilien wie das Haus des Lehrers. Entsprechend unterschiedlich sind die Aufgaben – von der passenden Nutzung eines Erdgeschosses bis zur langfristigen Entwicklung eines stadtbildprägenden Gebäudes.

IA: Wie hoch ist der Leerstand im Gewerbebereich?

LD: Der Leerstand liegt aktuell bei 2,7 Prozent. Anders gesagt: Mehr als 97 Prozent unserer rund 314.000 Quadratmeter Gewerbefläche sind vermietet. Das zeigt, wie stark unsere Gewerbeflächen nachgefragt sind.

IA: Welche Bedeutung hat das Gewerbegeschäft heute für die WBM?

LD: Gewerbe ist für uns längst kein Nebengeschäft. Es macht rund 13 Prozent unserer Gesamtfläche aus und steht zugleich für etwa ein Viertel unserer Einnahmen. Gleichzeitig können wir über unsere Gewerbeflächen die Nutzungsmischung und Qualität unserer Quartiere aktiv mitgestalten.

IA: Viele Ihrer Gewerbeflächen liegen an Standorten, an denen private Eigentümer hohe Marktmieten erzielen können. Wie weit liegt die WBM dort tatsächlich unter dem Markt und welchen finanziellen Spielraum nutzen Sie gezielt, um kleinteiligen Handel, soziale Infrastruktur oder inhabergeführte Betriebe zu halten?

LD: Wir schauen bei der Vermietung nicht ausschließlich darauf, was am Markt maximal erzielbar wäre. Entscheidend ist auch, welche Nutzungen ein Quartier braucht und welchen Beitrag sie vor Ort leisten. Rund 15 Prozent unseres Gewerbeportfolios entfallen auf soziale und kulturelle Nutzungen, die wir bewusst unter Marktniveau vermieten. Auch bei kleinteiligem Handel und inhabergeführten Betrieben wägen wir wirtschaftliche Interessen gegen die langfristige Qualität und Vielfalt eines Standorts ab. Diesen Spielraum nutzen wir gezielt – allerdings immer mit Blick auf unsere wirtschaftliche Verantwortung als Unternehmen.

IA: Wo sehen Sie die WBM mit ihrem Gewerbeportfolio in zehn Jahren?

LD: Wir werden deutlich größer sein. Allein die aktuelle Pipeline umfasst bis 2035 perspektivisch rund 100.000 Quadratmeter zusätzliche Gewerbefläche. Damit stärken wir Gewerbe sowohl als wirtschaftliche Säule der WBM als auch als Instrument für gemischte und lebendige Quartiere.

IA: Welche Rolle spielt die Berliner Innenstadt in Ihrer Gewerbestrategie?

WBM: Eine zentrale. Schon heute bewirtschaften wir allein in Mitte rund 226.000 Quadratmeter Gewerbefläche. Mit Projekten wie dem Molkenmarkt bauen wir diese Präsenz weiter aus und schaffen neue Orte, an denen Wohnen, Arbeiten, Handel und weitere Nutzungen zusammenkommen.

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