Mitteldeutscher Immobilientag: „Müssen bereit sein, uns hinterfragen zu lassen“

Mit seiner Young-Professionals-Community will der BFW Mitteldeutschland Fach- und Führungskräften Zugang zu Unternehmen, Erfahrung und Verbandsarbeit eröffnen. Dr. Ingo Seidemann, Vorstandsvorsitzender des BFW Mitteldeutschland, spricht über die Weitergabe von Verantwortung und den ersten gemeinsamen Auftritt beim Mitteldeutschen Immobilientag.

IMMOBILIEN AKTUELL (IA): Kontakte lassen sich auf jeder Branchenveranstaltung knüpfen. Wozu braucht es eine eigene Young-Professionals-Community?

Dr. Ingo Seidemann (IS): Gerade am Anfang des Berufswegs fehlt häufig die Gelegenheit, mit erfahrenen Unternehmern ausführlicher zu sprechen: Wie haben sie schwierige Entscheidungen getroffen? Was würden sie bei einem Projekt heute anders machen? Wie sind sie in Führungsverantwortung hineingewachsen? Solche Gespräche brauchen Vertrauen und wiederholte Begegnungen. Dafür wollen wir innerhalb des BFW einen verlässlichen Rahmen schaffen. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben wir Mitgliedsunternehmen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen. Dieses Wissen ist wertvoll. Es sollte auch denjenigen zugänglich sein, die sich ihre Position in der Branche gerade erarbeiten.

IA: Was hat der Verband selbst davon?

IS: Wir vertreten die mittelständische Immobilienwirtschaft und müssen wissen, was die Menschen beschäftigt, die künftig Unternehmen führen und Verantwortung für Projekte übernehmen. Das ist auch mit Blick auf den Generationswechsel in den Führungspositionen der inhabergeführten Unternehmen unserer Branche wichtig. Welche Erfahrungen machen sie im beruflichen Alltag? Welche Themen fehlen ihnen in unserer Arbeit? Wo kommen sie zu anderen Einschätzungen als wir? Daraus kann sich auch für den BFW etwas verändern, etwa bei unseren Fachveranstaltungen oder den Themen, die wir gegenüber Politik und Verwaltung ansprechen. Dabei müssen wir auch bereit sein, uns hinterfragen zu lassen.

IA: Sie nennen das Angebot Young Professionals, verzichten aber auf eine Altersgrenze. Wer soll sich angesprochen fühlen?

IS: Der berufliche Weg verläuft nicht bei jedem gleich. Manche steigen früh ins Familienunternehmen ein, andere kommen nach einer Tätigkeit in einer anderen Branche zu uns, manche arbeiten sich gerade in eine Führungstätigkeit ein. Deshalb wollen wir auch keine Altersgrenze setzen.

IA: Wie wird aus den Ideen der Teilnehmenden ein gemeinsames Arbeitsprogramm?

IS: Wichtig ist: Wir wollen nicht nur ein theoretisches Netzwerk sein. Deshalb besprechen wir mit den Teilnehmenden, welche Themen sie in ihrer Arbeit beschäftigen und was sie gemeinsam angehen möchten. Das kann ein Projektbesuch sein, ein Austausch mit einer Unternehmensführung oder eine Fachveranstaltung, deren Inhalt sie selbst entwickeln. Aus den Vorschlägen wählen wir aus und vereinbaren, wer die Vorbereitung übernimmt und welche Unterstützung der BFW leisten kann. Die Gruppe muss dabei nicht alles allein organisieren. Wir stellen Kontakte zu unseren Mitgliedsunternehmen her und helfen bei der Umsetzung. Zudem wollen wir ein Mentoren-Programm aufbauen, also konkret Partner an die Seite der Young Professionals zu unterschiedlichen Themen stellen. Die inhaltlichen Entscheidungen sollen aus der Gruppe kommen.

IA: Am 24. November steht der Mitteldeutsche Immobilientag an. Welche Rolle sollen die Young Professionals dort übernehmen?

IS: Sie sollen sich in die fachlichen Diskussionen einbringen. Das Programm bietet dafür konkrete Anlässe: die Finanzierbarkeit des Wohnungsbaus, die Umsetzung von Projekten oder die Anforderungen an resiliente Immobilien. Zur Vorbereitung wählen die Teilnehmenden Fachforen und Panels aus, die für ihre Arbeit relevant sind. Anschließend entwickeln sie Fragen, schärfen diese gemeinsam und überlegen, wer sie vor Ort stellt.

IA: Wie kommen die Teilnehmenden über eine Wortmeldung hinaus mit den Referierenden und Unternehmen ins Gespräch?

IS: Dazu liegen mehrere Vorschläge vor. Ein kleineres Gespräch mit Referierenden könnte Gelegenheit bieten, nach einem Panel einzelne Punkte zu vertiefen. Denkbar ist auch ein gemeinsamer Rundgang durch die Firmenmesse mit Gesprächen an den Ausstellerständen. Bereits vereinbart ist ein fester Treffpunkt im Ausstellerbereich. Der BFW erleichtert den Zugang außerdem über ein vergünstigtes Ticket: Für Young Professionals sind 55 Euro statt 299 Euro vorgesehen. Damit verbinden wir die Einladung, sich mit eigenen Fachfragen und Beiträgen am Immobilientag zu beteiligen.

IA: Was soll 2027 passieren?

IS: Die Community soll weiter wachsen. Zudem wollen wir regelmäßig in den Austausch gehen, das Mentoren-Programm aufbauen und gemeinsam Projekt- und Unternehmensbesichtigungen initiieren.

Hier geht es zum Mitteldeutschen Immobilientag

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