Der BER und der fehlende Anschluss

Fast sechs Jahre nach seiner Eröffnung ist der BER für die Hauptstadtregion ein Wirtschaftsfaktor mit Milliardenwirkung. Doch Unternehmen vermissen bessere Flugverbindungen. Vor allem auf der Langstrecke klaffen Bedarf und Zufriedenheit auseinander.

56 Prozent halten Langstreckenverbindungen für relevant, sieben Prozent sind damit zufrieden. Von allen Ergebnissen der Unternehmensbefragung zum BER ist dieses Verhältnis das deutlichste. Der Flughafen gehört für viele Betriebe zur Standortentscheidung. Sein Flugangebot erfüllt ihre Anforderungen jedoch nur begrenzt. Das Forschungsunternehmen CONOSCOPE hat für die Untersuchung „Wirtschaftsmotor BER“ 1.004 Unternehmen befragt und die wirtschaftlichen Effekte des Flughafens berechnet. Auftraggeber sind die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dahme-Spreewald und die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH.

Die regionale Wertschöpfung summiert sich nach den Berechnungen auf 3,7 Milliarden Euro. Der Beschäftigungseffekt beträgt rund 35.200 Vollzeitäquivalente. Dahinter stehen die Flughafengesellschaft und die ansässigen Betriebe, aber auch deren Lieferanten sowie die Nachfrage aus den Einkommen der Beschäftigten. Direkt am Flughafen erfasst die Studie 15.894 Vollzeitäquivalente und 2,1 Milliarden Euro Wertschöpfung. Über die wirtschaftlichen Verflechtungen kommen rechnerisch weitere 19.348 Vollzeitäquivalente und 1,6 Milliarden Euro hinzu. Ermittelt wurden diese Effekte mithilfe einer Input-Output-Analyse. Sie beschreiben die mit dem BER verbundene Wirtschaftsleistung, nicht den Zuwachs seit seiner Eröffnung.

Besonders abhängig vom Flughafen ist nach diesen Berechnungen Dahme-Spreewald. Rund 1,4 Milliarden Euro Wertschöpfung entsprechen etwa 17 Prozent des Kreis-Bruttoinlandsprodukts. Der Beschäftigungseffekt von rund 6.700 Vollzeitäquivalenten erreicht 12,4 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Auch Berlin profitiert: Auf die Hauptstadt entfallen 1,5 Milliarden Euro Wertschöpfung und rund 19.700 Vollzeitäquivalente. Die Größenordnung erklärt, weshalb das Angebot des BER über den Flughafenbetrieb hinaus von Interesse ist. Für Unternehmen mit Auslandsgeschäft zählt er deutlich häufiger zu den Standortfaktoren als für Betriebe ohne internationale Aktivitäten: 44 gegenüber 17 Prozent. Gerade für diese Unternehmen können fehlende Direktverbindungen zusätzliche Umstiege und längere Reisezeiten bedeuten.

Die Kritik beschränkt sich auch nicht auf Fernziele. Mit den Kurzstreckenverbindungen sind 26 Prozent zufrieden, während 56 Prozent sie für relevant halten. Bei der landseitigen Verkehrsinfrastruktur stehen 62 Prozent Relevanz ebenfalls 26 Prozent Zufriedenheit gegenüber. Für die Bewertung eines Büro- oder Gewerbestandorts genügt die Entfernung zum Terminal damit als Maßstab kaum. Entscheidend ist auch, wie verlässlich Beschäftigte und Geschäftspartner dorthin gelangen und welche Verbindungen anschließend zur Verfügung stehen. Für das unmittelbare Flughafenumfeld fällt der touristische Effekt deutlich kleiner aus als für die Hauptstadtregion insgesamt. Die Untersuchung ermittelt rund 3,95 Millionen über den BER anreisende Personen mit Aufenthalt in Berlin oder Brandenburg. Rund 120.000 davon entfallen auf Dahme-Spreewald, Oder-Spree und Teltow-Fläming. Aus ihrer Nachfrage berechnet CONOSCOPE für die drei Landkreise 77 Millionen Euro Wertschöpfung und 1.169 Vollzeitäquivalente. Die Ankunft am BER führt also nur einen kleinen Teil dieser Gäste zu einem Aufenthalt in den umliegenden Landkreisen. Die Autoren empfehlen eine stärkere Vernetzung touristischer Angebote. Außerdem nennen sie internationale Flugverbindungen, Verkehrsinfrastruktur, Wirtschaftsflächen sowie Fach- und Arbeitskräfte als Handlungsfelder.

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