363 Tage pro Transaktion: Der Immobilienmarkt hat ein Strukturproblem

Die Dauer von Immobilientransaktionen hat sich stabilisiert, ihre Komplexität nicht. Regulatorische Vorgaben, Finanzierungsfragen und immer umfangreichere Prüfprozesse verändern die Spielregeln des Marktes grundlegend. Alexandre Grellier, CEO und Mitgründer von Drooms, erläutert, weshalb nicht größere Teams, sondern intelligent organisierte Prozesse künftig über den Erfolg von Transaktionen entscheiden.

Wer auf die jüngsten Zahlen zur Dauer von Immobilientransaktionen blickt, könnte zunächst Grund zur Zuversicht sehen. Im Schnitt dauerte eine Immobilientransaktion in Europa 363 Tage, und damit erstmals nicht länger als im Vorjahr. Das zeigt der aktuelle Drooms Real Estate Trends Report 2026, für den alle über die Drooms-Plattform abgewickelten Transaktionen mit Closing im Jahr 2025 ausgewertet und ergänzend 80 Immobilienexperten zu ihren Markteinschätzungen befragt wurden. Die Stabilisierung lässt sich leicht als Entspannung lesen. Das wäre jedoch voreilig. Denn die Zahl sagt nichts darüber aus, ob Transaktionen tatsächlich wieder reibungsloser ablaufen. Sie zeigt nur, dass die zuletzt steigenden Laufzeiten sich auf einem hohen Niveau eingependelt haben. Was sich verändert hat, ist nicht die Dauer. Es ist die Komplexität dahinter. Und genau dort liegen auch die Antworten.

Die Entspannung, die keine ist

Die Stimmung in der Branche spiegelt das wider. Trotz der statistischen Stabilisierung berichtet mehr als die Hälfte der befragten Marktteilnehmer weiterhin von längeren Transaktionszeiten in den vergangenen zwölf Monaten. 27 Prozent beobachten Verlängerungen um 10 bis 20 Prozent, weitere 16 Prozent um mehr als 20 Prozent. Die Wahrnehmung der Branche hat sich trotz der statistischen Stabilisierung also kaum verändert.

Hinzu kommen erhebliche Unterschiede zwischen den Märkten. In Deutschland sank die durchschnittliche Transaktionsdauer zwar leicht auf 398 Tage, liegt damit aber weiterhin deutlich über dem europäischen Schnitt. Im Vereinigten Königreich stieg sie auf 577 Tage. Von einer Rückkehr zu schnelleren Prozessen kann keine Rede sein. Der Markt hat sich auf ein neues Komplexitätsniveau eingestellt und dort eingerichtet.

Die Ursachen liegen tiefer

Natürlich spielen schwierigere Finanzierungsbedingungen und eine erhöhte Investorenzurückhaltung eine Rolle. Doch sie allein erklären nicht, warum Transaktionen so viel länger dauern. Der Prozess selbst ist aufwendiger geworden. Regulatorische Anforderungen, ESG-Vorgaben und wachsende Dokumentationspflichten erhöhen den Prüfaufwand auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Wer heute einen Deal vorbereitet, muss deutlich mehr Informationen zusammentragen, prüfen, abstimmen und revisionssicher dokumentieren als noch vor wenigen Jahren.

Die Umfrageergebnisse des Trend Reports bestätigen dieses Bild. 46 Prozent der Befragten nennen die Sicherung von Finanzierungen als größte Herausforderung, 28 Prozent verweisen auf regulatorische Vorgaben. Die durchschnittliche Datenmenge pro Transaktion liegt konstant bei rund 3,5 Gigabyte. Der Markt hat es nicht mit einem einzelnen Engpass zu tun. Er steht vor einer dauerhaft verdichteten Komplexität, die sich nicht von allein auflöst.

Investoren reagieren mit klarer Priorisierung

 Die wachsende Prozesskomplexität verändert auch die Investmentlogik. Die Befragung zeigt eine deutliche Konzentration auf Assetklassen mit langfristiger Nutzungsrelevanz. 43 Prozent bewerten Wohnimmobilien als derzeit attraktivste Anlageform. Logistik und Rechenzentren folgen mit Abstand. Büroimmobilien dagegen stufen lediglich 1,3 Prozent als attraktivste Klasse ein, während 36 Prozent sie als am wenigsten attraktiv bewerten. Das ist mehr als ein Stimmungswechsel. Wenn Transaktionsprozesse selbst so aufwendig und langwierig werden, wiegt eine Fehlentscheidung bei der Assetauswahl doppelt. Investoren setzen auf Stabilität und Prognostizierbarkeit. Sie meiden Komplexität, wo sie vermeidbar ist, und akzeptieren sie nur dort, wo die Risiko-Rendite-Struktur sie rechtfertigt.

Bessere Entscheidungen beginnen mit besserer Struktur

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, wann der Markt dreht, sondern wie sich Transaktionen in einem Umfeld dauerhafter Komplexität überhaupt noch verlässlich steuern lassen. Ein zentraler Hebel liegt in der Art, wie Informationen organisiert werden. Wer Dokumente, Kommunikation und Analyse an einem Ort bündelt, reduziert Schnittstellen und schafft eine gemeinsame Entscheidungsgrundlage für alle Beteiligten. Moderne Transaktionsplattforme leisten genau das. Mit KI-gestützter Strukturierung, automatisierter Dokumentenanalyse und integrierter Risikobewertung machen sie komplexe Transaktionen nicht einfacher, aber beherrschbar. Sie sortieren, wo Menschen den Überblick verlieren, und machen Risiken sichtbar, bevor sie den Prozess gefährden. Fast die Hälfte der im Trend Report befragten Experten erwartet bereits, auf diesem Weg mehr Transaktionen mit derselben Personalstärke vorbereiten zu können.

Nicht größere Teams, sondern schlankere Prozesse

Die bisherige Antwort der Branche auf steigende Komplexität war eine andere: größere Teams, mehr Spezialisten, zusätzliche Prüfschleifen. Der Reflex ist nachvollziehbar. In der Praxis verstärkt er jedoch häufig genau das Problem, das er lösen soll. Jeder zusätzliche Beteiligte schafft Abstimmungsbedarf. Jede Schleife kostet Zeit. Ab einem bestimmten Punkt wird Organisationsgröße nicht mehr zum Schutz, sondern zur Bremse.

Nicht die Größe einer Organisation wird künftig die Transaktionsfähigkeit bestimmen, sondern die Fähigkeit, Informationen früh zu ordnen und in belastbare Entscheidungen zu übersetzen. Wer seine Prozesse so aufstellt, dass Komplexität beherrschbar wird, bevor sie den Deal gefährdet, verschafft sich einen Vorteil, der nicht von der Marktphase abhängt. Die entscheidende Verschiebung ist keine konjunkturelle. Sie ist organisatorisch.

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