„Planen mit Biodiversität ist wie gute Stadtplanung – es umfasst das Integrieren unterschiedlicher Bedürfnisse im Raum“, sagt Carla Schweizer. Die Stadtplanerin und Projektleiterin für Forschungsprojekte bei der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) denkt dabei nicht nur an den Menschen. „Integrieren wir Natur in die Stadtplanung, weitet sich die menschenzentrierte Perspektive hin zu einer naturoffenen, von der auch wir Menschen profitieren.“
Es ist ein Gedanke, der weit über Biodiversität hinausweist. Denn die großen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nicht mehr innerhalb einzelner Disziplinen lösen. Wer über lebenswerte Städte, resiliente Quartiere oder zukunftsfähige Gebäude spricht, muss unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen. Genau das zeichnet auch das NEW BAUHAUS Festival aus.
Die Themen reichen von Architektur und Stadtentwicklung über Mobilität, Infrastruktur und Digitalisierung bis hin zu Materialforschung, Kultur und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Entsprechend vielfältig sind auch die Menschen, die Anfang September in Weimar aufeinandertreffen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diskutieren mit Architektinnen und Architekten, Stadtplanende mit Vertreterinnen und Vertretern der Immobilienwirtschaft, Ingenieure mit Designerinnen, Handwerker mit Künstlern sowie Akteure aus Politik und Verwaltung.
Wie unterschiedlich die Blickwinkel sein können, zeigt auch Prof. Peter Thomé. Der Architekt und Professor an der Hochschule Koblenz beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Zukunft ländlicher Räume. Sein Fokus liegt auf den Herausforderungen von Dörfern und Kleinstädten, die mit demografischem Wandel, Leerständen und dem gleichzeitigen Flächenverbrauch umgehen müssen. In Forschung und Lehre verbindet er Fragen der Baukultur mit sozialer Daseinsvorsorge, Klimaanpassung und nachhaltiger Infrastruktur. Damit macht er deutlich, dass Zukunft nicht nur in den Metropolen entschieden wird, sondern ebenso in den ländlichen Regionen.
Einen ganz anderen Zugang bringt Dieter Michell-Auli mit. Als Geschäftsführer der DRO Deutsche Rail Operations beschäftigt er sich mit der Mobilität von morgen – vom internationalen Bahnverkehr bis hin zu neuen Technologien wie Hyperloop-Systemen. Seine beruflichen Stationen bei der Deutschen Bahn und Siemens, unter anderem mit langjähriger Verantwortung in China, stehen für die Verbindung von technischer Innovation, internationaler Erfahrung und Infrastrukturentwicklung.
Zwischen Biodiversität, Dorfentwicklung und Mobilität liegen auf den ersten Blick Welten. Tatsächlich verbindet diese Themen jedoch eine gemeinsame Frage: Wie gestalten wir die gebaute Umwelt so, dass sie den Anforderungen der Zukunft gerecht wird? Genau diese unterschiedlichen Perspektiven machen den Charakter des NEW BAUHAUS Festivals aus. Es geht nicht darum, Antworten aus einer einzigen Disziplin zu suchen. Es geht darum, Wissen zu verknüpfen, Erfahrungen auszutauschen und neue Lösungen dort entstehen zu lassen, wo unterschiedliche Denkweisen aufeinandertreffen. Denn die Zukunft des Bauens entsteht nicht im Silodenken, sondern im Dialog.


