Aufbruch in eine neue Hotel-Generation?

Internationale Hotelmarken expandieren, Investoren bleiben der Assetklasse treu und Revitalisierungen lösen zunehmend klassische Neubauprojekte ab. Gleichzeitig verändern neue Betreiberkonzepte, professionelles Asset Management und eine selektivere Kapitalallokation den Markt nachhaltig. Die Hotellerie befindet sich in einer Phase des strukturellen Wandels mit guten Perspektiven für hochwertige Standorte und Bestandsimmobilien.

Aroundtown hat fünf Hotelimmobilien an das globale Travel-Tech-Unternehmen PRISM (ehemals OYO) übergeben, das die Häuser künftig unter der Marke Sunday Hotels betreibt. Dazu gehören drei Ferienresorts auf Rügen und an der Mecklenburgischen Seenplatte sowie zwei Stadthotels in Saarbrücken und Bielefeld. Parallel setzt die Radisson Hotel Group ihren Expansionskurs in Deutschland fort: Neue Hotels wurden in Ahlbeck, Bonn und Fürth eröffnet, zudem sicherte sich die Gruppe mit dem Radisson Collection Hotel Frankfurt einen weiteren Premiumstandort. Auch die MHP Hotel AG baut ihr Portfolio aus. Bis 2029 entsteht im historischen Carsch-Haus und dem benachbarten Gebäude an der Kasernenstraße in Düsseldorf ein Hotel der Autograph Collection mit rund 180 Zimmern. Das Projekt ist Teil einer umfassenden Revitalisierung des Innenstadtquartiers und steht exemplarisch für den anhaltenden Fokus der Branche auf hochwertige Hotelkonzepte, internationale Marken und die Weiterentwicklung attraktiver Bestandsimmobilien.

Binnentourismus treibt das Segment

Die Projektpipeline spiegelt eine Entwicklung wider, die sich auch in den Marktdaten zeigt. Nach Einschätzung von bulwiengesa und Union Investment wird sich die Übernachtungsnachfrage auch 2026 stabil entwickeln, getragen vor allem vom Binnentourismus. Gleichzeitig gewinnen die wirtschaftliche Qualität der Betriebe sowie die Transformation bestehender Immobilien weiter an Gewicht. Martin Schaller, Leiter Asset Management Hospitality bei Union Investment, ordnet die Entwicklung ein: „Für die Hotellerie hierzulande bedeutet dies: Die Nachfragebasis ist weiterhin solide, die operative Entwicklung wird jedoch nicht mehr allein von Nachholeffekten oder Großereignissen getragen.“ Parallel dazu rechnen die Marktbeobachter mit einem Zimmerzuwachs mindestens auf dem Niveau des Vorjahres sowie einer weiteren Verstetigung des Konversionstrends. Revitalisierung, Umnutzung und Repositionierung bestehender Gebäude dürften klassische Hotelneubauten damit zunehmend ergänzen – insbesondere in den A-Städten, wo Flächen knapp und hochwertige Bestandsobjekte verstärkt in den Blick rücken.

Investoren wollen Hotelallokation beibehalten

Rückenwind erhält die Assetklasse zudem aus dem europäischen Marktumfeld. Nach Einschätzung von PGIM Real Estate sprechen die robuste Inlandsnachfrage, ein begrenztes Angebotswachstum und stabile Auslastungsraten für weiteres Umsatz- und Ertragspotenzial. Gleichzeitig könnten geopolitische Unsicherheiten die Nachfrage verstärkt auf Inlands- und innereuropäische Reisen lenken und damit die europäischen Hotelmärkte zusätzlich stützen. Diese positiven Fundamentaldaten spiegeln sich auch im Investorenverhalten wider. Laut dem „European Hotel Investor Compass“ von Cushman & Wakefield wollen 86 Prozent der Investoren ihre Hotelallokation beibehalten oder ausbauen, 58 Prozent sogar mehr Kapital investieren als im Vorjahr. Die DACH-Region zählt weiterhin zu den etablierten Investitionsmärkten und belegt im europäischen Ranking Platz fünf. Besonders Berlin und München gewinnen wieder an Attraktivität. Christine Mayer, Head of Hotel Valuation Germany & Austria bei Cushman & Wakefield, ordnet dies ein: „Die DACH-Region bleibt trotz der aktuellen Selektivität ein Fundament europäischer Hospitality-Investments. Deutschland, Österreich und die Schweiz werden weiterhin als verlässliche, langfristig tragfähige Märkte wahrgenommen.“ Gleichzeitig agieren Investoren selektiver: Die Renditeerwartungen steigen, ESG-konforme Immobilien erzielen Preisaufschläge und Künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend zu einem investitionsrelevanten Werttreiber.

Auch die Stimmung der Marktteilnehmer bestätigt diesen Trend. Einer Trendumfrage von mrp hotels zufolge messen 69 Prozent der befragten Investoren und Immobilienexperten Hotelinvestments derzeit eine hohe oder sehr hohe Bedeutung bei. Mehr als 90 Prozent bewerten Hotels im Vergleich zu anderen Assetklassen als mindestens ebenso attraktiv, rund 45 Prozent erwarten in den kommenden drei Jahren einen weiter steigenden Anteil von Hotelimmobilien in institutionellen Portfolios. „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass Hotelimmobilien trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten als resilienter und zukunftsfähiger Bestandteil institutioneller Portfolios wahrgenommen werden. Betreiberqualität, Standortprofil und flexible Nutzungskonzepte rücken dabei stärker in den Fokus“, sagt Martin Schaffer, Geschäftsführer von mrp hotels.

Dass diese Zuversicht bereits in konkrete Investitionsentscheidungen mündet, zeigt der deutsche Hotelinvestmentmarkt. Im ersten Halbjahr 2026 wurden Transaktionen im Volumen von 741 Millionen Euro registriert. Zwar blieb das Ergebnis rund 18 Prozent unter dem außergewöhnlich starken Vorjahreszeitraum, dennoch präsentiert sich der Markt widerstandsfähig. Maßgeblich geprägt wurde das Marktgeschehen durch den Verkauf des Penta-Portfolios mit einem Volumen von rund 275 Millionen Euro. Trotz geopolitischer Unsicherheiten und einer zwischenzeitlichen Zurückhaltung auf Betreiberseite bewertet JLL die Marktverfassung positiv. „Der deutsche Hotelinvestmentmarkt ist dynamisch ins Jahr 2026 gestartet. Der Iran-Konflikt und eine vorübergehende Unsicherheit auf der Betreiberseite haben im zweiten Quartal zwar etwas Wind aus den Segeln genommen, das grundsätzliche Interesse an der Assetklasse ist jedoch ungebrochen“, sagt Stefan Giesemann, Managing Director der JLL Hotels & Hospitality Group. Mehr als die Hälfte des Transaktionsvolumens entfiel auf internationale Investoren. Für die zweite Jahreshälfte rechnet JLL mit einer anhaltend hohen Marktaktivität. „Aktuell sehen wir zudem ein attraktives Angebot an Investmentmöglichkeiten, sowohl im Value-add- als auch im Core-Segment, das die Grundlage für eine anhaltend starke Nachfrage bildet. Für die zweite Jahreshälfte erwarten wir eine robuste Marktaktivität und halten ein Gesamtjahresvolumen auf dem Niveau von 2025, also rund um die Zwei-Milliarden-Euro-Marke, für realistisch“, so Stefan Giesemann.

Family Offices verstärkt im Markt

Auf Käuferseite dominierten vermögende Privatpersonen und Family Offices mit einem Anteil von 37 Prozent am Transaktionsvolumen, gefolgt von institutionellen Investoren mit 35 Prozent. Rund 60 Prozent des investierten Kapitals entfielen auf Value-add- und opportunistische Strategien, weitere 36 Prozent auf Core-Investments. Gleichzeitig verändert sich die Betreiberlandschaft. Heidi Schmidtke, Managing Director der JLL Hotels & Hospitality Group, verweist auf die Folgen der Insolvenz der Revo Hospitality Group: „Der Hotelbetreibermarkt war im ersten Halbjahr 2026 stark geprägt von der Insolvenz der Revo Hospitality Group, einer der größten Multibrand-Hotelbetreibergesellschaften mit Häusern in Europa und vor allem Deutschland. Als Resultat lässt sich bereits festhalten, dass die Gruppe aufgespaltet wurde und dabei neben bereits bekannten auch neue Betreibergesellschaften in den deutschen Hotelmarkt eingetreten sind.“ Unabhängig davon setzt sich der Trend zu Konversionen fort, während Hotelneubauten die Ausnahme bleiben. Zu den markantesten Neueintritten zählen Taj Hotels mit der Wiedereröffnung des ehemaligen Grand Hotel Hessischer Hof in Frankfurt sowie The Dean Hotels, die mit der Übernahme des ehemaligen Max Brown Hotel Ku’damm in Berlin ihre Deutschlandpräsenz ausbauen.

Mit der zunehmenden Marktdynamik steigen zugleich die Anforderungen an Eigentümer und Betreiber. Nach Einschätzung von mrp hotels entscheiden heute nicht mehr allein Standort und Nachfrage über den wirtschaftlichen Erfolg einer Hotelimmobilie, sondern zunehmend die Qualität ihrer Steuerung. „Es reicht heute nicht mehr, ausschließlich auf die Pacht zu schauen. Asset Management bedeutet vielmehr, die Performance und strategische Ausrichtung eines Hotels kontinuierlich zu analysieren, Transparenz über die wirtschaftliche Entwicklung zu schaffen und bei Bedarf gezielte Impulse zu setzen“, sagt Martin Schaffer, Managing Partner bei mrp hotels. Vor allem steigende Betriebs- und Energiekosten, kürzere Buchungszyklen sowie die wachsende Bedeutung flexibler Betreiberkonzepte erhöhen die Anforderungen an ein professionelles Hotel-Asset-Management.

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