Kaum ein anderer deutscher Publizist hat die Debatte über Digitalisierung in den vergangenen zwei Jahrzehnten so kontinuierlich begleitet wie Sascha Lobo. Während viele Diskussionen zwischen Technikbegeisterung und Zukunftsangst pendeln, richtet er seinen Blick vor allem auf die gesellschaftlichen Folgen technologischer Entwicklungen. Seine zentrale Frage lautet nicht, was eine neue Technologie kann, sondern was sie mit Wirtschaft, Arbeit, Politik und Gesellschaft macht. Eines seiner Themen: die zunehmende Dramatisierung der Debatte über Künstliche Intelligenz. „Nicht auf Weltuntergangs-PR reinfallen“, sagte er beispielsweise bei Maybrit Illner im ZDF. Die Aussage fiel in einer Diskussion über die Risiken und Chancen neuer KI-Systeme und richtete sich gegen die Tendenz, technologische Entwicklungen vorschnell als Bedrohungsszenario zu betrachten.
Dabei geht es ihm keineswegs darum, Risiken auszublenden. Vielmehr kritisiert er eine Debattenkultur, die häufig von Extremen geprägt ist. Zwischen den Versprechen einer technologischen Erlösung und den Warnungen vor dem Kontrollverlust gerät aus seiner Sicht oft der nüchterne Blick auf die tatsächlichen Veränderungen verloren. In derselben Sendung formulierte Sascha Lobo einen weiteren Gedanken, der für sein Verständnis digitaler Transformation zentral ist. „Nur durch Regulierung werden wir nicht digital souverän.“ Diese entstehe nicht allein durch Gesetze und Vorgaben, sondern ebenso durch Forschung, Innovation und die Fähigkeit, technologische Entwicklungen selbst voranzutreiben. Beim OMR Festival 2025 erklärte Sascha Lobo: „Die aktuelle CEO-Generation ist die letzte, die nur noch an Menschen ihre Aufgaben verteilt.“ Mit diesem Satz beschreibt er eine Entwicklung, die bereits begonnen hat. Künstliche Intelligenz wird zunehmend nicht nur als Werkzeug genutzt, sondern übernimmt Aufgaben, erstellt Analysen, bewertet Informationen und bereitet Entscheidungen vor.
Gleichzeitig widerspricht Sascha Lobo der häufig geäußerten These, Deutschland habe den Anschluss an diese Entwicklung bereits verloren. In der Diskussion bei Maybrit Illner verwies er auf die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes. „Die Forschung für Künstliche Intelligenz in Deutschland ist hervorragend, die ist absolute Weltspitze.“ Das Problem liege weniger in der Forschung als in der Fähigkeit, daraus erfolgreiche Unternehmen, Produkte und Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Dass Sascha Lobo am 2. September 2026 beim NEW bauhaus in Weimar spricht, ist deshalb folgerichtig. Seine Thesen handeln nur vordergründig von Künstlicher Intelligenz. Tatsächlich beschäftigen sie sich mit der Frage, wie Gesellschaften auf tiefgreifende Veränderungen reagieren. Genau darum geht es auch beim NEW bauhaus. Viele der großen Herausforderungen der Gegenwart werden noch immer in einzelnen Fachdisziplinen diskutiert. Die Folgen neuer Technologien, Fragen von Bildung, Arbeit, Energie, Mobilität oder Wohnen lassen sich jedoch längst nicht mehr voneinander trennen.
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