Agrarflächen: Kaufpreise mit großem West-Ost-Gefälle

Der deutsche Agrarflächenmarkt erreichte 2024 mit knapp 3,1 Milliarden Euro den höchsten Geldumsatz seit 2015. Für landwirtschaftliche Betriebe verteuert sich der Zugang zum Boden: Kaufpreise binden Kapital, steigende Pachten belasten den Betrieb. Zusätzliche Einnahmen aus der Energieerzeugung hängen von der Umsetzbarkeit der Projekte ab.

82.770 Hektar Acker- und Grünland wechselten 2024 in Deutschland den Eigentümer, rund ein Drittel weniger als 2015. Die Zahl der Verkäufe sank im selben Zeitraum von 68.550 auf 56.580. Im Agrarmarktbericht 2026/2027 von Colliers wird diese Entwicklung als Angebotsproblem eingeordnet: „Die niedrigeren Transaktionszahlen der letzten Jahre sind jedoch nicht als Ausdruck einer schwachen Nachfrage zu werten, sondern vielmehr als Folge eines Produktmangels.“ Über das Verkaufsangebot hinaus schrumpft auch die landwirtschaftliche Nutzfläche. Seit 1995 gingen dem Bericht zufolge rund 636.000 Hektar insbesondere durch die Ausweitung von Siedlungs- und Verkehrsflächen verloren. Heute werden noch rund 16,6 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzt.

Die ausgewerteten Investmentdaten stammen aus dem Immobilienmarktbericht Deutschland 2025 des Arbeitskreises der Oberen Gutachterausschüsse und reichen bis 2024. Im jüngsten Jahresvergleich blieb die gehandelte Fläche mit einem Plus von 0,4 Prozent nahezu unverändert; der Geldumsatz erhöhte sich um etwa drei Prozent. Gegenüber 2015 stieg er von rund 2,8 auf knapp 3,1 Milliarden Euro. Die Erklärung der Studienautoren: „Ausschlaggebend hierfür waren vor allem die deutlich gestiegenen Kaufpreise, die den Rückgang der gehandelten Flächen mehr als kompensierten.“

Ackerland stellte 2024 etwa drei Viertel der verkauften Fläche und mehr als 80 Prozent des Geldumsatzes. Der durchschnittliche Kaufpreis erreichte 40.487 Euro je Hektar, rund vier Prozent mehr als im Vorjahr und etwa 70 Prozent mehr als 2015. Grünland verbilligte sich dagegen zuletzt von 28.245 auf 27.380 Euro je Hektar. Auch regional verlief die Entwicklung unterschiedlich: Während die Ackerlandpreise in Sachsen und Brandenburg gegenüber 2023 stiegen, gingen sie in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen zurück. In Bayern blieb das Niveau nahezu unverändert – mit rund 92.900 Euro je Hektar an der Spitze der Bundesländer. Es folgten Nordrhein-Westfalen mit rund 87.700 Euro und Niedersachsen mit 62.000 Euro. In Brandenburg wurden etwa 15.000 Euro gezahlt, in Sachsen 17.100 Euro und in Thüringen 12.700 Euro.

Neben dem Preis unterscheidet sich die Größe der gehandelten Flächen erheblich. Baden-Württemberg verzeichnete 2024 beispielsweise 12.800 Kauffälle mit zusammen 5.650 Hektar. In Mecklenburg-Vorpommern wurden bei lediglich 1.660 Verkäufen 7.460 Hektar umgesetzt. Caspar von Wilamowitz, Senior Consultant Land & Forst bei Colliers, sieht darin unterschiedliche Zugänge für Investoren: „Die deutlichen regionalen Kaufpreisunterschiede zwischen West- und Ostdeutschland bieten Investoren zudem verschiedene Einstiegsmöglichkeiten. Entscheidend sind jedoch die Qualität und Ertragsfähigkeit der Flächen sowie ihre langfristigen Nutzungsperspektiven.“

Für die Bewirtschaftung muss der Boden nicht im Eigentum des Betriebs liegen. Rund 60 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschlands sind gepachtet. „Bei den derzeit hohen Kaufpreisen für Ackerland ist es für viele Landwirte wirtschaftlich sinnvoller, zusätzliche Flächen zu pachten, statt sie zu kaufen. So können sie ihre Betriebe weiterentwickeln, ohne erhebliche finanzielle Mittel im Boden zu binden“, sagt Eckbrecht von Grone, Head of Land & Forst bei Colliers. „Für Flächeneigentümer und Investoren wiederum bieten die hohe Nachfrage nach Pachtflächen und langfristige Pachtverträge sichere und attraktive Ertragsperspektiven.“

Auf der Kostenseite der Pächter steht ein Anstieg der durchschnittlichen Ackerlandpacht von 277 auf 407 Euro je Hektar und Jahr zwischen 2013 und 2023 – rund 47 Prozent. Neupachten liegen vielfach darüber: In Nordrhein-Westfalen nennt der Bericht 781 Euro gegenüber einem allgemeinen Durchschnitt von 659 Euro, in Niedersachsen 755 gegenüber 643 Euro. Die Studie hält fest: „Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet dies steigende Flächenkosten und wachsenden wirtschaftlichen Druck, insbesondere bei einem hohen Anteil gepachteter Flächen.“ Parallel konzentriert sich die Bewirtschaftung auf größere Einheiten. Zwischen 2010 und 2025 sank die Zahl der Betriebe um rund 15 Prozent, die von ihnen genutzte Gesamtfläche aber nur um etwa ein Prozent. Betriebe ab 100 Hektar stellen inzwischen rund 15 Prozent aller Betriebe und bewirtschaften mehr als 64 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche.

Eine andere Einnahmequelle ist die Energieerzeugung. Für Photovoltaik-Freiflächenanlagen im Außenbereich nennt Colliers jährliche Pachten von 3.000 bis 4.000 Euro je Hektar, bei privilegierten Anlagen bis zu 4.500 Euro. Für Agri-PV liegen die Angaben zwischen 2.000 und 3.500 Euro. Bei Windenergieanlagen werden jährliche Grundpachten von etwa 50.000 bis 100.000 Euro je Anlage genannt, die um umsatzabhängige Zahlungen ergänzt werden können. Diese Spannen hängen von Standort und Projekt ab. Gerade die kombinierte Nutzung für Landwirtschaft und Stromproduktion bleibt laut Bericht ein Nischenmarkt: Lange Planungs- und Genehmigungsverfahren, höhere Investitionskosten und geringe Flächeneffizienz erschweren den Ausbau. Wer beim Kauf bereits Energiepachten einkalkuliert, setzt auf eine Nutzung, deren Umsetzung erst gesichert werden muss.

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