Mitteldeutscher Immobilientag: Genehmigt ist noch nicht gebaut

Der BFW Mitteldeutschland fordert stärkere steuerliche Anreize für den Wohnungsbau. Beim 32. Mitteldeutschen Immobilientag am 24. November in Leipzig geht es um die Voraussetzungen für Investitionen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, von der Finanzierung bis zur Krisenfestigkeit von Immobilien.

„Die bessere Stimmung ist bislang vor allem ein Vorschuss auf die Zukunft“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen am ifo Institut. Die im September veröffentlichte Befragung zum Wohnungsbau liefert dazu die Zahlen: Im August berichteten 41,3 Prozent der Unternehmen von fehlenden Aufträgen, 13,4 Prozent von stornierten Projekten. Die Erwartungen hatten sich aufgehellt, die Bewertung der laufenden Geschäfte blieb unverändert. Der erhoffte Aufschwung muss in den Auftragsbüchern erst noch ankommen. Für den BFW Mitteldeutschland reicht es deshalb nicht, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Der Verband fordert, die Sonderabschreibung zu stärken und verlässlich auszugestalten. „Wir brauchen einen Doppelschlag. Die Maßnahmen von Bund und Ländern zur Beschleunigung von Verfahren sind richtig und notwendig. Gleichzeitig müssen wir Investitionen aktiv fördern. Was schneller genehmigt wird, muss am Ende auch finanziert und gebaut werden können“, sagt Dr. Ingo Seidemann, Vorstandsvorsitzender des BFW Mitteldeutschland.

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Gefälle zwischen Stadt und Land

In Teilen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beschreibt der Verband eine besonders enge Kalkulation: Hohe Bau- und Finanzierungskosten treffen auf vergleichsweise niedrige Mieten. Für zusätzliche Belastungen bleibt wenig Spielraum. Mit einer stärkeren Sonderabschreibung will der BFW privates Kapital für Projekte mobilisieren, die unter den bisherigen Bedingungen zurückgestellt werden. Als Beleg für die Wirkung öffentlicher Impulse verweist er auf die sächsische Wohnraumförderung. Von den 199,3 Millionen Euro für neue Bewilligungen im Jahr 2026 sind rund 65 Millionen Euro für Neubauprojekte vorgesehen. Damit sollen in den kommenden Jahren etwa 740 Sozialwohnungen in Dresden und Leipzig entstehen. Nach den Angaben des Freistaates löst jeder Euro Förderung weitere vier Euro Bauinvestitionen aus. Diesen Mobilisierungseffekt möchte der BFW auch im frei finanzierten Wohnungsbau stärker nutzen. „Wir werden den Bedarf an neuen Wohnungen nicht allein mit öffentlichen Förderprogrammen decken können. Umso wichtiger ist es, vorhandenes privates Kapital wieder in Bauprojekte zu lenken“, so Dr. Ingo Seidemann.

Kooperation zum Leipziger Baulandinvestitionsmodell

Zur Wirtschaftlichkeit gehört aus Verbandssicht auch, kommunale Verpflichtungen frühzeitig beziffern zu können. Mit der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig, der Handwerkskammer zu Leipzig, Gemeinsam für Leipzig und den Stadtgestaltern Leipzig hat der BFW das Leipziger Baulandinvestitionsmodell vorgelegt. Der Vorschlag bemisst Beiträge für Grünflächen, technische und soziale Infrastruktur sowie sozialen Wohnungsbau an der Bruttogeschossfläche, Leistungen innerhalb des Projekts können angerechnet werden. Vorhabenträger sollen damit bereits zu Beginn der Planung kalkulieren können, welche Beteiligungen bei neu geschaffenem Wohnbaurecht auf sie zukommen.

Aufbruch Wohnungsmarkt: Zum Programm des Mitteldeutschen Immobilientages

Wie sich solche Investitionsbedingungen verändern lassen, behandelt der 32. Mitteldeutsche Immobilientag unter dem Titel „Aufbruch Wohnungsmarkt – Investieren in Mitteldeutschland“. Der Fachkongress findet am 24. November 2026 im Hyperion Hotel Leipzig statt. Die Sonder-AfA und das Verhältnis von Kapital, Regulierung und Marktrealität bestimmen den Auftakt. Im Panel „Bauturbo ohne Kapital – wer soll noch bauen?“ diskutieren unter anderem Dirk Salewski, Präsident des BFW-Bundesverbandes, Saidah Bojens, Niederlassungsleiterin von Instone Real Estate für Berlin und Sachsen, sowie Professor Dr. Harald Simons, Professor für Volkswirtschaftslehre und Mitglied des Vorstandes der empirica AG. Damit treffen wohnungswirtschaftliche, projektentwicklerische und wissenschaftliche Perspektiven aufeinander.

Das weitere Programm führt diese Debatte in drei parallelen Fachforen zu Bau, Finanzen und Immobilienmanagement fort. Geplant sind Beiträge zur Umsetzung von Wohnprojekten und zu deren Finanzierung, bevor das Nachmittagspanel „Immobilienwirtschaft 2030“ den längerfristigen Blick auf die Branche richtet. Einen weiteren Schwerpunkt bilden resiliente Immobilien und die Anforderungen an ihre Zukunftsfähigkeit, für die Diskussion ist unter anderem das Technische Hilfswerk vorgesehen. Neben der Realisierung neuer Vorhaben steht damit auch die Frage auf dem Programm, welchen Belastungen Gebäude und Standorte künftig standhalten müssen.

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